Allgemeine Informationen zum Stadtteil
Grumme ist ein Stadtteil, der vor allem mit Grün- und Freizeitanlagen (Grummer Teiche/Stadtpark etc.), öffentlichen Verkehrsanschlüssen und medizinischer Versorgung recht gut ausgestattet ist. Das macht die Lebensqualität vieler Bürgerinnen und Bürger aus. Allerdings ist der Stadtteil mittlerweile zu einem reinen Wohngebiet geworden. Grumme besitzt keinen 'gemütlichen Ortskern', an dem sich die Bürgerinnen und Bürger bei einem Einkaufsbummel oder auch bei einem Café- oder Eisdielenbesuch treffen, austauschen oder sich einfach nur begegnen könnten.
Bevölkerungsstruktur
Bochum Grumme ist kein auffälliger Stadtteil. Die Bevölkerungszahl ist rückläufig. Auf städtischer Ebene ist der Sozialraum Grumme in zwei statistische Quartiere "Kornharpen/Voede-Abzweig" (Stadtbezirk Bochum-Nord) und "Grumme" (Stadtbezirk Bochum Mitte) aufgeteilt. Die Bevölkerungsstruktur in diesen beiden Quartieren unterscheidet sich. Beiden Quartieren gemeinsam ist die relativ hohe Zahl an Menschen, die über 60 Jahre und älter sind. So liegt der Alt-Jung- Quotient mit zusätzlichen 28.9 % (Grumme) und mit zusätzlichen 23,1 % (Kornharpen/Voede-Abzweig) über dem städtischen Mittelwert (Sozialbericht Stadt Bochum 2008, S. 203/204 und 249/250). Im Vergleich zum Sozialbericht 2005 ist die Zahl der über 60-Jährigen und älteren im Verhältnis zu 100 Kindern und Jugendlichen (Alt-Jung-Quotient) gesunken. Es gibt zur Zeit keine hohe Fluktuation im Stadtteil. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt mit 9,8 % in Grumme und 12,0 % im Quartier Kornharpen/Voede-Abzweig unter dem gesamtstädtischen Vergleichswert (Sozialbericht Stadt Bochum 2008, S. 203/204 und S. 249/250). Nach dem Sozialbericht 2008 der Stadt Bochum prägen weitere Merkmale den Sozialraum Grumme.
Auffallend ist in beiden Quartieren die hohe Zahl an psychosozialen Hilfen, sei es der hohe Anteil an kinder- und jugendpsychiatrischen Fällen in Grumme oder die imens hohe Zahl an eingesetzten Hilfen zur Erziehung und Jugendgerichtshilfefällen in Kornharpen/Voede-Abzweig. Nach dem Bericht über die PschKG-Einweisungsrate 2006 liegt die Einweisungsrate im Verhältnis zur Einwohnerzahl nach Stadtteilen in Bochum im Quartier Kornharpen/Voede-Abzweig erheblich über dem Durchschnitt.
Seit einigen Jahren zeichnet sich ein Wandel der Bevölkerungsstruktur ab. Es rücken jüngere Generationen nach. Das stellt neue Anforderungen an das Zusammenleben von Jung und Alt im Stadtteil, mit denen sich der StadtTeilLaden gemeinsam mit den Betroffenen auseinandersetzt.
Zur Entwicklung des Stadtteils
Grumme zeichnete sich ursprünglich durch seine Landwirtschaft und 'Bauernschaft' aus. Durch den Strukturwandel um 1900 wurde diese fast vollständig verdrängt. Mit dem Ausbau des Bergbaus (Schachtanlage Constantin) war ein Bevölkerungszuwachs und somit der Bau von Straßen und Häusern verbunden. In dieser Zeit boten auch die neu entstandenen Stahlwerke (östlich der Castroperstraße) für viele Menschen Arbeit, was den Bau vieler Arbeiterwohnungen in Grumme nach sich zog. So entstand um 1920 z.B. die sog. 'Kolonie Rottmannshof' (Josephinen-, Böckenberg-, Lennestraße und Umgebung). Grumme entwickelte sich einerseits zu einem Wohnort für viele Arbeiter und deren Familien und war andererseits ein beliebtes Ausflugsziel (Grummer Teiche, der 1933 entstandene Tierpark, der ab 1876 für die Öffentlichkeit eröffnete Stadtpark und das Ruhrstadion).
Während des zweiten Weltkrieges war Grumme stark zerstört. So gab es auf der Josephinenstraße, Liboriusstraße, Heckertstraße, Castroper Straße und im Stadtparkviertel Totalschäden. Einige Häuser wurden durch die Alliierten (erst Amerikaner, danach Engländer) besetzt. Manche evakuierte Grummer Bürger durften erst Anfang der 50er Jahre wieder nach Bochum zrückkommen. Alle Wohnungen unterlagen der Zwangsverwaltung durch das Wohnungsamt der Stadt Bochum.
Die nach der Demontage wieder pulsierende Industrie wie Stahlindustrie (Stahlwerke) und Bergbau (Zeche Constantin 6/7 und Lothringen IV) benötigte viele Arbeitskräfte. Für sie wurden in den 50-iger Jahren neue Häuser und eine neue Siedlung um den Lenneplatz gebaut.
So bekamen in den Siedlungen im Flüsseviertel überwiegend Bergleute eine neue Wohnung. In der Siedlung Ennepestraße fanden viele Flüchtlinge aus der Sowjetzone (DDR) nach dem Volksaufstand 1954 in der DDR eine neue Wohnung. In die Siedlung Matthias – Claudiusstraße zogen Mitarbeiter von den Stahlwerken, Bogestra und Stadtverwaltung, sowie Flüchtlinge aus der DDR. Im Bergbau kamen nach dem Krieg auch viele Flüchtlinge aus Schlesien, Ost- und Westpreußen unter.
Durch einen erneuten Strukturwandel (Schließung der Zeche Constantin im Jahr 1968 im Zuge des Zechensterbens) verloren viele Bergleute ihren Arbeitsplatz. Viele von ihnen fanden bei den neu entstandenen Opelwerken in Bochum-Laer oder bei den Stahlwerken wieder Arbeit. Um 1980 haben sich in Grumme einige Kleinindustrien und Gewerbe angesiedelt (z.B. in den Gewerbegebieten ‘Harpener Feld’ und ‘Weg am Kötterberg’).
Mittlerweile ändert sich die Stadtteilstruktur im Haupteinzugsgebiet der VBW Bauen und Wohnen GmbH, dem Flüsseviertel, wieder. Es sind 11 neue Einfamilienhäuser entstanden, etliche Wohnungen werden zur Zeit umgebaut oder leergezogen. Auf dem ehemaligen Bolzplatz an der Röhnstraße soll ein "Betreutes Wohnen" für Senioren entstehen. Des Weiteren soll auf dem Gelände der Parkplätze Thyssen Krupp Steel an der Castroperstraße ein neues Geschäftsznetrum entstehen (siehe WAZ vom 01.05.2008).
So bietet der Stadtteil Grumme ein relativ gemischtes Bild. Er ist sowohl durch viele Häuser aus der Vorkriegszeit als auch aus der Nachkriegszeit (welche zu überwiegen scheinen) geprägt. Der Stadtteil hat sich durch den Zuzug von ‘Arbeiterfamilien’ entwickelt. Seine ehemals beliebten Ausflugsziele sind auch heute noch Ziele vieler Ausflüglerinnen und Ausflügler. In dieser Hinsicht hat er auch durch den Zuzug von Kleinindustrien und Gewerbe nicht an Lebensqualität für seine Bürgerinnen und Bürger verloren.